Das Fahrtenbuch Nr. 2

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Seit etwa 1880 werden bei den Malmströms die sogenannten Fahrtenbücher – auch Traditions- oder Familienbücher – geführt. Sie enthalten u.a. Zeitungsausschnitte, Originalfotos, Programmzettel, Dankschreiben, Auszeichnungsurkunden ...

Seite um Seite Erinnerungen aus dem Artistenleben, das von ihren arbeitsreichen Reisen kündet.

Am 7. September 1944 während des 2. Weltkriegs ging das Fahrtenbuch Nr. 2 mit wichtigen Familien-Dokumenten verloren.

„Die Malmströms reisten zu dieser Zeit als „Front-Theater“, wurden im Hinterland angegriffen, mussten fliehen und verloren Fahrzeuge und Ausrüstung. Möglicherweise handelte es sich um eine Aktion der „Holländischen Widerstandsbewegung“. (aus dem Buch „Die Malmströms“ von Ralf-Jürgen Girbig)

Im August 2014 geschah dann das zuvor nicht für möglich gehaltene Ereignis. Herr Henk Timmermann aus Wierden in den Niederlanden fand beim Aufräumen seines Dachbodens ein Buch mit dem Namen der Malmströms, suchte im Internet danach und fand im 2. Anlauf das Malmström-Museum und der Kontakt war hergestellt. Herr Timmermann setzte sich in sein Auto und so kehrte das Fahrtenbuch Nr. 2 nach genau 70 Jahren wieder in das Haus Malmström zurück.

Die Schweriner Volkszeitung und auch Güstrow TV berichteten damals über dieses Ereignis. Mit einem Blick auf ein Foto der Gebrüder Malmström sagte Torsten Malmström im Interview mit Güstrow TV: „Wenn das unsere alten Herren noch erlebt hätten, das wäre ein Wahnsinn“.
Wir sind Herrn Henk Timmermann auf ewig dankbar dafür!

... Doch das Fahrtenbuch Nr. 1 mit Dokumenten aus der Zeit von 1880 bis 1920 - wird wohl für immer verloren sein!


Die sogenannte Lyra

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Die „Lyra“ ist bereits seit mehr als 20 Jahren bei uns auf dem Hof zu sehen. Benutzt wurde sie mit Sicherheit schon viele Jahrzehnte nicht mehr.

Anfang des vorigen Jahrhunderts aber wurde sie von der damals jungen und heranwachsenden Generation der Malmströms für das artistische Training stark beansprucht. Und dies sowohl vor als auch nach der Schule ...
Neben einem möglichst regelmäßigen Schulbesuch und dem Reiten legte Vater Willi neben seiner eigenen Zirkusarbeit etwa ab 1916 großen Wert darauf, dass seine Jungs Artur, Hans, Herbert und später auch Charles besonders kraftakrobatisch ausgebildet wurden.

Aus dem Buch „Die Malmströms“ von Ralf-Jürgen Girbig:
Hochbetagt erinnert sich Herbert Malmström an die Zeit des artistischen Ruhmes mit seinen Brüdern, aber auch an die damit verbundenen „Mühen der Ebenen“, die unglaublichen Trainingsstrapazen.


Wimpel vom Circus Semsrott

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Im Circus-Archiv in Marburg taucht der Circus Semsrott erstmals auf, als er im Herbst 1896 in Leitmeritz und Teplitz-Schönau mit einem Riesenzelt (wie die Presse schrieb) gastierte, also im Böhmischen reiste mit sehr guten Pferdenummern im Programm.
Die Circusdirektorin Adelheid Semsrott entwickelte den 1891 nach dem Tode ihres Mannes von ihr gegründeten Circus „A. Semsrott Wwe.“ zu einem geachteten Mittelunternehmen, das vor allem in Schlesien, Pommern und Ostpreußen begeisterte und das sie bis zu ihrem Tode am 10. 1. 1927 leitete.
Ihre Tochter Olga heiratete den bekannten Fußantipoden und Clown Hodgini, Tochter Frieda den Jongleur Spyrka, die später zusammen mit der Direktorin im Circus Semsrott auftraten, in den späteren 20er Jahren ergänzt durch vier Enkel. Ein Journalist schrieb: „Circus Semsrott brachte stets gute Nummern, die zum großen Teil von Familienmitgliedern bestritten wurden, die ja alle Vollartisten waren.“
Nach Adelheids Tod übernahmen also die beiden Töchter und Schwiegersöhne die Leitung des Circus, den sie natürlich weiterentwickeln wollten und wofür sie offen für neue Konzepte waren.
So erwies es sich als passend, dass die Familie Malmström in finanziellen Schwierigkeiten war, ihre „Circus Arena Malmström“ aufgeben wollte und als Familie Anschluss suchte. Wahrscheinlich war es die Initiative der Malmströms, die vorschlugen, dem Circus Semsrott beizutreten, was den Semrotts wohl als ideale Ergänzung erschien.
Am 5. Juni 1927 wurde ein Vertrag geschlossen, dass Felix Spyrka, Jakob Hodgini und Herbert Malmström gemeinsam Direktoren des Circus Semsrott wurden.
Dabei ergänzten sich die beiden Familien in ihren Programm-Nummern in perfekt. Aus 1929 liegt ein Programm vor, in dem von 17 Nummern nur zwei (Herr Bauer mit Dressuren und A. Winkler mit Raubtieren) von Außenstehenden bestritten werden, alle anderen werden von Mitgliedern der drei Familien sehr erfolgreich gestaltet.
Damals beschrieb ein Journalist ein Gastspiel von Sarrasani so: ein Riesenzirkus, glitzernd und amerikanisch seine Reklame, die mehr versprach als die Vorstellung halten konnte.
Und ein folgendes Gastspiel von Semsrott so: Ein Mitttelständler mit Zweimaster, der ein vielseitiges ausgezeichnetes Programm bietet.
Was an Hoher Reitschule und Pferdedresssurakten geboten wird, sind Leistungen, die wir in ganz großen Zirkussen nicht besser gesehen haben. Höchste Anerkennung verdienen die Leistungen akrobatischer Art der Gebrüder Malmström in der Zirkuskuppel. Die Antipodenspiele des Herrn Hodgini sind erstaunliche Leistungen. Der Balance-Akt der Geschwister Kolter fesselte verdientermaßen.
Das Programm war also erfolgversprechend, aber drei Naturkatastrophen verhinderten den erhofften Erfolg. Als der Circus 1929 durch Sturm und Feuer zweimal vernichtet wurde, war die Zukunft ungewiss.
Da erhielten die Brüder Malmström ein sehr attraktives Angebot, beenden die Zusammenarbeit mit den Semsrotts am 27. Oktober 1929 und traten am 1. November im Wappenhof in Breslau auf, von wo aus ihre Karriere steil aufwärts ging - eine Entwicklung die ein Mittelklassenzirkus wie Semsrott eben nicht bieten konnte.
Text: Prof. Dr. Heinz Stoffregen


Erkennungsmarke für Kriegsgefangene als Armband

Arthur Malmström (1899-1982), ältester Sohn von Therese und Willi Malmström, wurde mit 18 Jahren im Juni 1917 als Soldat zum Kriegsdienst eingezogen. Wann er in britische Kriegsgefangenschaft geriet, ist nicht bekannt, doch es gibt ein Foto aus dieser Zeit und seine Erkennungsmarke als Kriegsgefangener.

Willi Malmströms Kraftsensationen wurden ihm im Juli 1919 während einer Vorstellung in Pritzwalk zum Verhängnis. Die schwere Verletzung seines Brustkorbs überstand er nicht und verstarb ein knappes Vierteljahr später im Alter von 49 Jahren.
„Zehn Tage vorher hatte er noch eine glückliche Begegnung mit seinem Sohn Arthur, der gerade aus der Gefangenschaft zurückkehrte. – Artistenschicksal ...!“ (Ralf-Jürgen Girbig)


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