Als am Donnerstag, dem 2. April 1936, diese spektakuläre wie auch fantastische Geschichte von „Einer peinlichen Begegnung“ in Güstrow und Umgebung die Runde machte, waren die Malmströms mit ihrem Varieté unterwegs in Mecklenburg. Bestimmt haben auch sie den Artikel an diesem Tag in die Hände bekommen und gelesen, noch bevor die Truppe sich zum Auftritt nach Ganzlin auf den Weg machte. Was Autofahrer am 1. April zwischen Güstrow und Klueß Aufregendes zu sehen bekamen … lesen Sie selbst! Die Veröffentlichung der Fotos und des Textes erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Stadtarchivs Güstrow.
„ Wie uns gestern nachmittag von Kraftfahrern gemeldet wurde, soll zwischen Güstrow und Klueß ein Löwenpaar gesehen worden sein, allerdings lautete die Aussage der natürlich sofort mit höchster Geschwindigkeit geflüchteten Autler, die uns dies in höchster Erregung meldeten, nicht präzis genug, um sie ohne weiteres für bare Münze zu nehmen, um so mehr, als doch in unserer ganzen Gegend kein Tierpark ist, aus dem die Raubtiere ausgebrochen sein könnten.
Die MTZ hat aber trotzdem selbstverständlich heute am frühen Morgen schon ihre Fliegende Redaktion mit dem Kraftwagen losgeschickt, um diese Angaben der Autofahrer nachzuprüfen. Sie schienen sich nicht zu bewahrheiten, denn unser Berichterstatter fuhr – mit der nötigen Geschwindigkeit der Sicherheit wegen natürlich – fast bis nach Teterow, ohne etwas von den Tieren gesehen zu haben.
Schon wollten wir entrüstet über die Schwindeleien, die man uns da gestern erzählt hatte, wieder nach Hause fahren und vorher noch in Klueß in den bekannten „Drei Linden“ eine Stärkung zu uns zu nehmen, als plötzlich aus dem Walddickicht unmittelbar an der Kreuzung der Plauer und Teterower Chaussee eine stattliche, voll ausgewachsene Löwin zwischen dem Gebüsch durchstarrte.
Die Redaktion verminderte natürlich sofort die Geschwindigkeit, – nicht ohne sich mit dem Browning eine ausreichende Sicherheit zu schaffen, – und unser Pressefotograf knipste im Vorbeifahren den hier wiedergegebenen Schnappschuß über den Kühler und Kotflügel des Wagens hinweg. Erfreulicherweise unternahm das Raubtier keinen Angriff auf den Wagen.
Wieder in Güstrow, leitete die Redaktion selbstverständlich Nachforschungen nach dem Besitzer der Tiere ein und erstattete sofort der zuständigen Behörde Meldung von der Sache. Hierauf wurde uns mitgeteilt, daß die Löwen – im ganzen drei prächtige Exemplare – Eigentum der M a l m s t r ö m s seien, die ihr Zirkusunternehmen zurzeit wieder zu seiner alten Größe ausbauen und auch bei dieser Gelegenheit Raubtierdressuren proben.
Wie man uns weiter berichtete, ist man mit der Dressur der Löwen schon soweit vorgeschritten, daß man die Tiere – unter stetem hypnotischen Einfluß eines bekannten Bändigers natürlich – bereits versuchsweise an wenig besuchten Stellen der Güstrower Umgebung frei umherlaufen lassen kann, ohne daß die Tiere auch nur einmal bisher einen Rückfall in ihre alte Wildheit zeigten oder gar Menschen angriffen. Man darf nach diesen großartigen bisherigen Dressurerfolgen gespannt sein auf die erste Vorstellung des neunen Zirkus, die allerdings zeitlich leider noch nicht festgelegt ist.“
Ein verspäteter Aprilscherz, der bestimmt für allerlei Gesprächsstoff nicht nur in Güstrow gesorgt hatte. Selbst die Fotomontage ist recht gut gelungen.